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Interview mit Wolfgang Sonnenburg

Herr Sonnenburg, Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Lieber die ganze Welt gegen mich als meine Seele – Vom Mut zu sich selbst zu stehen". Sind Menschen wirklich soweit, sich mit dem Thema "Seele" auseinanderzusetzen? 

Nein, das sind einige Menschen sicher noch nicht. Gerade deswegen ist es jedoch so wichtig, sich dieses Themas auf eine nicht esoterische Art und Weise anzunehmen. Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass viele Menschen die Existenz ihrer Seele stark anzweifeln oder sogar vehement davon überzeugt sind, keine zu besitzen. Aus diesem Wissen heraus ist es sicher ein sehr mutiger Schritt, ein solches Buch mit diesem Titel zu schreiben. Ich selber aber bin nun einmal davon überzeugt, dass wir alle eine Seele haben und diese ganz genau weiß, wozu wir hier sind. Weiß, was wir uns beruflich wie privat als "Aufgaben" für dieses Leben vorgenommen haben. Nur wenn wir lernen, auf unsere Seele zu hören und ihren Wünschen zu folgen, werden wir das Leben, für das wir auf allen Ebenen bestimmt sind, auch leben können. Wenn jemand wie ich, der enormen beruflichen und damit auch finanziellen Erfolg erreicht hat, zu dieser Thematik steht und sich frei dazu äußert, werden hoffentlich auch einige der eingefleischten Zweifler aufhorchen und einmal über die Existenz ihrer Seele nachdenken! 

Wie genau sollen Menschen den Mut aufbringen, zu sich selber zu stehen? Und einmal gefunden, wie beeinflusst dieser Mut dann unsere weitere Entwicklung? 

Ich denke dabei an den Mut, sich zu trauen, wirklich "man selber" zu sein. Leider tun das immer noch die wenigsten Menschen. Das gilt für den beruflichen genau so wie für den privaten Bereich. Die meisten Personen glauben fest daran, dass sie das, was sie den ganzen Tag lang, eine ganze Arbeitswoche lang, so vor sich hin fabrizieren, wirklich aus innerster Überzeugung tun. Das Gegenteil trifft aber meist zu. Zahlreiche Menschen leben Existenzen, die sie eigentlich ganz tief drinnen nicht wollen. Manches Mal sogar ablehnen. Aber sie befinden sich in einem Hamsterrad, aus dem sie meinen, nicht mehr aussteigen zu können. Sie haben sich ein Leben konstruiert, das eigentlich eine Image-Falle ist, sind verheddert in den Attributen des äußeren Wohlstandes und bleiben dann aus finanziellen Gründen eben Controller oder Banker. Sie meinen, die vorhandenen Verpflichtungen, wie Abzahlen von Wohnung, Haus, Autos oder sonstigen Gütern nur dann zu schaffen, wenn sie so weitermachen wie bisher. Aussteigen würden sie schon gern, aber sie stehen nicht zu ihren eigentlichen Wünschen, die ihnen eine kleine, zuerst zaghafte, dann immer lauter werdende Stimme zuflüstert. 

Sie machen einfach weiter. Auch wenn die innere Unzufriedenheit ständig steigt, das spontane Lachen und die Fröhlichkeit mit den Jahren sinken. Sie werden zur arbeitenden Hülle und leben so an ihrer Bestimmung vorbei. Dabei ist es durchaus nicht so, dass sich innerer und äußerer Reichtum ausschließen, ganz im Gegenteil. Wer das tut, was er wirklich von Herzen will, wird immer erfolgreich sein. Es geht gar nicht anders. Wer also in allen - auch beruflichen - Entscheidungen auf seine Seele hört, sich traut, neue Wege zu gehen, dem wird der Erfolg treu bleiben. Eine der für mich wichtigsten Intentionen meines Buches ist es, mit diesen falschen Glaubenssätzen aufzuräumen und die Menschen ihrer wahren Bestimmung näher zu bringen. 

Das heißt, unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, wer genau wir in diesem Leben sind? In diesem Zusammenhang präsentieren Sie in Ihrem Buch den Ansatz "Äpfel, Birnen & Co" betreffend die wahre Essenz von Menschen und ihre natürlichen, mitgebrachten Eigenschaften. Was genau ist das Dilemma, das sich aus diesen verschiedenen Eigenschaften ergeben kann?  

Jeder Mensch ist individuell und einzigartig. Wir alle werden mit einem eindeutigen genetischen Fingerabdruck geboren. Mit unterschiedlichen Zellen, Mustern und Strukturen. Wir haben es also mit einer unglaublichen Vielfalt an Eigenschaften, Wünschen, Ausrichtungen, Meinungen und Absichten zu tun. Stellen wir uns in diesem Zusammenhang einmal vor, dass jeder Mensch einer Frucht entspricht. Das Schöne daran, aber auch gleichzeitig das Dilemma: Es sind normalerweise nicht die gleichen Früchte. Ein Apfel kann also in einer Firma aufschlagen, die von Birnen geführt wird. Und wird somit als Birne eingestuft, in einen Birnen-Job-Kontext gestopft und von nun an beinhart auf berufliche Birne getrimmt. Das passiert häufig dann, wenn Eltern ihre Kinder dazu auffordern, ihre eigenen Karrieren zu kopieren oder Familienunternehmen zu übernehmen, obwohl die Essenz des Kindes und dann des Erwachsenen dazu überhaupt nicht geeignet ist. 

Ein solcher Apfel-Mitarbeiter wird sich in diesem beruflichen Universum völlig fremd und wenig zugehörig fühlen. Das Selbstwertgefühl des Apfels wird klaftertief sinken. Er wird in diesem Kosmos der erfolgreichen Birnen nicht als wertvoller Apfel gesehen, sondern als erfolglose Birne. Er ist der "Looser" Birne. Alle großartigen Apfel-Fähigkeiten liegen brach, er bekommt keinen Zuspruch und verunsichert immer mehr. Meist passiert dann Folgendes: Um die Anerkennung seines beruflichen Umfeldes zu verdienen, gibt sich der Apfel immense Mühe, sein ihm angeborenes Verhalten abzulegen und sich zur braven Birne zu transformieren. Um endlich ein anerkanntes Mitglied der Birnengesellschaft zu werden, steigt er die Birnen-Karriereleiter hinauf, verbiegt sich bei diesem Tun, lernt Dinge, die ihn nicht wirklich interessieren. Er kann diese Aktivitäten dann durchaus ausführen, aber er wird niemals in seine volle Kraft gehen. 

Er kann sein Apfellicht und seine Apfel-Fähigkeiten nicht scheinen lassen, denn er hat sich längst dem Birnen-Dasein angepasst. Das gilt natürlich nicht nur für Äpfel und Birnen, diese sollen hier bloß als Beispiel dienen. Der Obstgarten des Universums ist groß, die möglichen Frucht-Kombinationen sind zahlreich. Und genau deswegen entsteht eben so oft dieses berufliche Dilemma. 

Was ist der Weg heraus aus dieser Falle der "falschen" Frucht bzw. Persönlichkeit? Was ist dabei zu beachten?

Die Frage sollte vielmehr lauten, was können Familien beachten. Denn dieser Konflikt beginnt schon viel früher, kleine Äpfel werden in Birnen-Familien geboren, die sie ja erst auf diesen Weg senden. Es ist also als erster Schritt ein Umdenken der Ursprungsfamilie notwendig. Die müsste erkennen, dass sie eine andere Frucht geschenkt bekommen hat und diese dabei unterstützen, optimales Obst zu werden! Welche Sorte auch immer. Talente und Neigungen entdecken und diese aktiv fördern wäre das Gebot der Stunde! Da die wenigsten als Kinder diese Art von Unterstützung bekommen, erscheint also falsches Obst in Unternehmen und nimmt dort völlig ungeeignete Plätze aus den völlig falschen Gründen ein. Dieses Dilemma ist also hausgemacht in den meisten Fällen, verlässt aber dann auf tragische Weise die Familien und erreicht den Job- und Bewerbermarkt und die Unternehmen. 

Wie können HR-Verantwortliche und auch Job-Kandidaten vorgehen, um die Situation "Apfel" im "Birnenjob" zu umgehen? 

Allen Bewerbern kann ich nur innig ans Herz legen, vor jedem Jobwechsel in sich zu gehen, schonungslose Innenschau zu halten und diese Change-Situation einer neuen beruflichen Herausforderung zum Anlass zu nehmen, zu checken, was sie wirklich wollen. Oder ob sie das, was sie bisher getan haben, noch tun wollen. Die wenigsten tun das, sie bleiben in ewig gleichen Fahrwassern. Banker wechseln die Bank, Steuerberater die Kanzlei, die Aufgaben bleiben dieselben. Die meisten Menschen trauen sich einfach nicht, ihre Individualität, ihre Ursprünglichkeit, ihr wahres Ich zu leben. Rar sind jene, die z. B. klar für sich erkennen: "Ich bin nicht für eine Bürotätigkeit geboren, ich bin zum Handwerker geboren". Wer dies klar für sich einordnen kann, ist auf dem richtigen Weg. Es ist in dieser Hinsicht auch fast nie zu spät, wer fest entschlossen ist und wirklich für eine neue Aufgabe brennt, wird immer Wege finden. 

Bewerber brauchen also den Mut, sich selbst zu erkennen und eingefahrene Geleise zu verlassen. Auf der Seite der Recruiter wäre schon mal das Bewusstsein sehr gut, dass eben viele Menschen traditionell in Karrieren sitzen, weil "man das so macht". Aus diesem Bewusstsein heraus können sie anders fragen, tiefer fragen, mit echtem Interesse fragen und dabei viel über den vor ihnen sitzenden Kandidaten, die Kandidatin herausfinden. Im schlimmsten Fall merken sie dann, das ist Fassade, das passt nicht wirklich und bringen mit ihrer Absage diese Person vielleicht noch einmal zum Denken ... Im besten Fall entdecken sie in dem Bewerber, der Bewerberin, jedoch ein Talent, das sie anderswo einsetzen können und eventuell gar nicht in dem Job, für den die Person eigentlich vorstellig wurde. Das erfordert freilich viel Empathie, Einfühlungsvermögen und vor allem die Fähigkeit, die Andersartigkeit ihrer Gesprächspartner zu erkennen. Aus Birnen-Sicht heißt das unter anderem auch, das bekannte "Birne in the Box"-Denken zu unterlassen und sich neue Denk- und Recrutierweisen zu erlauben. Wer das auf HR-Seite tut, kann seinem Unternehmen unter Umständen viel frischen Wind in Form von verschiedenen "Obstsorten" und deren ganz speziellen Talenten bringen. 

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