von Stéphane Etrillard
Ob Facebook, die VZ-Netzwerke, Wer-kennt-wen, YouTube oder auch Twitter: Soziale Netzwerke und Internetplattformen erleben einen Boom größeren Ausmaßes. Waren solche Netzwerke vor einigen Jahren vor allem den jüngeren Nutzern und eingefleischten Internet-Nerds vorbehalten, sind sie heute längst zum Massenphänomen geworden. Dementsprechend hat sich nicht nur die Zahl der Nutzer vergrößert, sondern insbesondere auch die Spannbreite derjenigen, die solche Netzwerke privat und zunehmend auch zu Marketingzwecken einsetzen. Die Netzwerke und Plattformen rücken immer stärker in den Fokus der Werbetreibenden und Marketingstrategen und eröffnen dabei viele neue Möglichkeiten – die jedoch zu selten oder wenig effektiv genutzt werden.
Der Ansturm auf die sozialen Netzwerke und Internetplattformen hat auch Folgen für das Marketing
Dass soziale Netzwerke inzwischen zu einer festen Größe geworden sind und Millionen Nutzer erreichen, hat konkrete Auswirkungen auf das Marketing und auf die Kommunikation. Viele Marketingverantwortliche begehen jedoch den Fehler, die neuen Kanäle entweder gar nicht oder auf zu traditionelle Weise zu nutzen. Denn viele Strategen haben die Plattformen als Marketinginstrument zunächst nicht ernst genommen, kennen sich nun entsprechend wenig mit ihren Besonderheiten aus und greifen schließlich zu wenig effektiven Mitteln, um ihre Botschaften zu platzieren.
Zwar sind sich heute alle einig, dass die neuen Medien immer stärker an Bedeutung gewinnen und somit als Marketinginstrument nicht unbeachtet bleiben können, doch ist es längst nicht damit getan, die klassische Werbung eins zu eins ins Internet zu verlagern. Vergessen wird, dass Werbemaßnahmen auch im Internet nur dann greifen, wenn sie die Nutzerbedürfnisse widerspiegeln, maßgeschneidert zur Zielgruppe passen und die Produktvorteile glaubwürdig kommunizieren. Wichtig ist zudem eines: Alle neuen Medien dienen dem Nutzer als Erstes zur Kommunikation. Und einseitige Werbeaussagen wie auf einer traditionellen Plakatwand bieten hier wenig bis keine Anreize, die Botschaften aufzugreifen, über sie zu diskutieren und an andere zu vermitteln. Derartige Werbung wird – wenn überhaupt – als lästige Übel wahrgenommen und schließlich nicht weiter beachtet.
Das Potenzial, das die neuen Medien bieten, wird damit längst nicht ausgeschöpft. Denn dafür ist es notwendig herauszufinden, wie eine Nutzergruppe – die Community – tatsächlich denkt, welche Themen sie interessiert und was sie überhaupt von einem bestimmten Produkt erwartet. Gelingt es dabei, den Nerv der Nutzer zu treffen und mit ihnen in einen Dialog zu treten, verbreiten sich die Botschaften in ungeahnter Geschwindigkeit, und zwar mithilfe von Multiplikatoren.
Die Multiplikatoren im Internet sind diejenigen, die aktiv am Geschehen in den Netzwerken und auf den Plattformen teilnehmen, dabei auch eigene Inhalte beisteuern und andere mobilisieren. Tatsächlich werden die Netzwerke und Plattformen zwar von Millionen Menschen genutzt – doch meist nur passiv. Nur wenige Prozent der Nutzer sind aktiv am Geschehen beteiligt und auch in der Lage, andere zu beeinflussen. Wem es gelingt, diese Multiplikatoren für die eigenen Ziele zu gewinnen, wird über diese Schnittstellen ein sehr breites Publikum ansprechen. Und eine Botschaft, die nicht mehr vom Anbieter eines Produktes, sondern über einen User selbst verbreitet wird, ist selbstverständlich weitaus glaubwürdiger und damit wesentlich effektiver als eine auf herkömmliche Weise platzierte Werbebotschaft.
Doch genauso wie in der Realität sind auch Produkte oder Unternehmen, die im Internet viel diskutiert werden, dem Risiko ausgesetzt, von den Nutzern in ein schlechtes Licht gerückt zu werden. Deshalb kann die Verbreitung der Botschaften nicht sich selbst überlassen werden, damit im Fall des Falles eine schnelle Reaktion möglich ist und negative Kampagnen schon im Ansatz vermieden werden.
Für das Marketing sind die neuen Medien bereits unverzichtbar geworden. Wer von den vielen Vorteilen – wie zum Beispiel den geringen Kosten, der weiten und schnellen Verbreitung sowie der hohen Glaubwürdigkeit – profitieren will, muss sich ernsthaft mit den jeweiligen Medien und den individuellen Usern beschäftigen, die geeigneten Kommunikationswege finden und das Geschehen ständig im Auge behalten. In aller Kürze lässt sich das auf einen Nenner bringen:
Zeigen Sie Präsenz, arbeiten Sie mit der Internetgemeinde zusammen und entwickeln Sie Ihre eigene Strategie für das Marketing in den neuen Medien.
© Stéphane Etrillard, 2010 www.etrillard.com
Quelle:
Michael Ehlers Institut