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Wer Menschen entwickeln will, muss auf sie einwirken. Doch welche Absichten und Mittel sind dabei in Ordnung? Und wann sind sie moralisch verwerflich?

von Boris Grundl

Die Angst negativer Beeinflussung ist in unserem Land sehr ausgeprägt. Das ist historisch gesehen völlig verständlich. Im 20. Jahrhundert haben sich die Nazis in Deutschland an der destruktiven Gehirnwäsche einer ganzen Nation versucht. Sie waren darin leider erfolgreich. Sechs Millionen ermordete Menschen sprechen für sich. Die Angst, dass sich das wiederholen könnte, hat sich in unserem Bewusstsein tief eingebrannt. Doch was für jede Menschenseele gilt, gilt auch für eine Volksseele. Wichtig ist, was wir durch unsere Vergangenheit gelernt haben. Wir sollten jene Ängste überwinden, die uns lähmen. Es ist an der Zeit, die Schatten der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Das zeigt sich daran, dass zum Thema Manipulation und Beeinflussung so wenig klar Stellung bezogen wird.

Abgrenzung von Beeinflussung und Manipulation

Einfluss auf andere auszuüben ist ein starker Impuls eines jeden Menschen. Jedes kleine Kind versucht, an der Kasse im Supermarkt die Harmoniesucht der Eltern für seine Vorteile auszunutzen. Leider zu oft mit Erfolg. Kleidung, Mimik, Gestik, Parfüm und Statussymbole werden so ausgewählt, dass eine bestimmte Wirkung erzielt wird. Bewusst oder unbewusst. Jede Werbung buhlt um unsere Aufmerksamkeit genauso wie Medien aller Art. Eltern glauben, nur ihr Weltbild sei das beste für ihre Kinder. Nicht selten scheitern Beziehungen daran, dass der eine dem anderen ständig beweisen muss, wie recht er mit seinem Denken hat. Überall erleben wir den Kampf der Weltbilder. Oder anders: Wer ein bisschen wach ist, kann das Streben nach Einfluss überall und andauernd feststellen. Dennoch drucksen wir um diese Wahrheit herum. Viele haben Angst, dass ihnen ihr Einflussstreben negativ ausgelegt wird.

Menschen wollen Einfluss. Sie wollen ihn, ich will ihn und andere wollen ihn auch. Die Frage ist: Mit welchen Motiven handeln wir und welche Wirkung erzielt unser Handeln?

Einfluss und Manipulation unterscheiden sich eindeutig. Manipulation heißt, jemanden dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun oder als gegeben vorauszusetzen, ohne dass er es selbst bewusst nachvollzieht, den Sinn versteht und überprüft hat, ob es seinen Interessen entspricht. Eine solche Vorgehensweise ist verwerflich. Denn ihre Ziele heißen Abhängigkeit und Fremdsteuerung. Hier liegt ein Menschenbild zu Grunde, dass dem eines modernen Sklavenhalters entspricht. Es geht um die rücksichtslose Befriedigung eigener Bedürfnisse.

Informationen werden bewusst zurückgehalten oder der Absicht entsprechend verändert. Täuschung und Hinterlist sind an der Tagesordnung. Merke: Wer sich seines Einflusses auf die Außenwelt freut, ist noch lange kein Berufener! Was viele Manipulatoren nicht bedenken: Irgendwann kommt dieses Wirken auf einen selbst zurück und man muss den Preis dafür zahlen. Früher oder später.

Beeinflussung im Sinne der Menschenentwicklung ist dagegen keine Manipulation. Beeinflussung beruht auf der Überzeugung von Menschen.

Das heißt, das Vorgehen ist offen und nachvollziehbar. Wenn möglich, geschieht es nach einem System, das vorher erklärt wurde. Es ist dann klar, warum etwas zu tun ist, und im Voraus wurde das Einverständnis der Person eingeholt. Der Schlusspunkt der Beeinflussung ist die Selbststeuerung des Beeinflussten. Das setzt Selbsterkenntnis voraus. Ihr liegt das Menschenbild "Potenziale in anderen freisetzen" zu Grunde. Es basiert auf Ehrlichkeit und soll zur geistigen Unabhängigkeit führen. Diese Art der Beeinflussung dient der Größe, die in jedem Menschen wohnt. Der Beeinflusser handelt nach bestem Gewissen für sich und andere und lässt sich auch gerne von anderen bewusst beeinflussen. Wenn es der Sache dient, hat er damit kein Problem. Er muss auch nicht immer „recht haben“.

Zugegeben, da wir alle keine Heiligen sind, werden sich diese beiden Motivansätze immer mal vermischen. Bevor wir uns zu sehr damit beschäftigen, welche Motive bei den anderen vorherrschen, sollten wir uns selbst immer wieder auf den Prüfstand stellen. Nur Sie wissen, was Sie wirklich antreibt. Je  nach dem, wie tief Sie sich bis jetzt erkannt haben.

Die Frage ist, wann wir aus welchem Antrieb handeln. Wann sind wir im Manipulations-Zustand und wann sind wir im Beeinflussungs-Zustand? Der Manipulator in uns kommt immer dann zum Zuge, wenn wir Angst haben. Angst, zu kurz zu kommen, Angst, übergangen zu werden, Angst, von einem anderen überholt zu werden oder Angst, Kontrolle zu verlieren. Die Art der Ängste ist vielfältig. Die Handlungen, die daraus entstehen, sind sehr ähnlich. Die Grundlage dafür ist immer ein Mangel an Vertrauen. Vertrauen zu sich, zu anderen oder in die Welt. Das geht meistens mit einer inneren Enge einher (ein ressourcenarmer Zustand) oder negative Erfahrungen (unverarbeitete Verletzungen) aus der Vergangenheit übernehmen das Ruder.

Manipulatoren tun so, als wären sie ein netter, lieber Mensch. Das haben sie gelernt. Doch wenn Manipulatoren wirken, heißt es bei den Mitarbeitern: Bei uns wirst du so über den Tisch gezogen, dass die dabei entstehende Reibungswärme als Liebe verkauft wird. Der Manipulator sagt: "Ich entwickle ein Geschäft und benutze dafür Menschen." Der Beeinflusser sagt: "Ich entwickle Menschen und benutze dafür ein Geschäft." Als Beeinflusser sind wir mit uns im Reinen. Wir sind bei uns. Nicht außer uns. Wir vertrauen uns und den anderen und denken, die Welt meint es gut mit uns. Auch wenn wir ab und zu enttäuscht und verletzt werden.

So gerne wir wohl immer im Zustand des Beeinflussers wären, so müssen wir uns doch eingestehen, dass wir öfters im Zustand des Manipulators sind, als uns lieb ist. Das ist nicht so schlimm, solange wir daran arbeiten, dass in uns der Zustand des Beeinflussers immer mehr Raum einnimmt. Wir sind Menschen und sollten akzeptieren, dass wir doch öfters in der inneren Enge sind als wir zugeben mögen. Wie heißt es so schön: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.


Ihr Boris Grundl

www.grundl-akademie.de


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