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Extrinsische und intrinsische Motivation: die Hintergründe

von Boris Grundl

Es wird viel über extrinsische und intrinsische Motivation diskutiert und geschrieben. Was ist denn besser? Ein äußerer oder ein innerer Antrieb? Hilfreicher ist die Frage: Bin ich mir meiner tatsächlichen Motive und der Motive anderer wirklich bewusst?

Die intrinsische Motivation (IM) ist in Mode. Alles soll aus uns selbst heraus entstehen. Nur keine Beeinflussung von außen zulassen! Nach dem Motto: „Ich weiß Bescheid.“ Extrinsische Motivation (EM) gilt als Zeichen von Schwäche und Unselbständigkeit. Nur nach der tiefen Wahrheit, die in uns liegt, sollen wir handeln. Das hört sich erst einmal verlockend an. Aber ist diese Betrachtung wirklich hilfreich oder nur populär?

Was für Auswirkungen hat es denn, wenn eine Ansicht zu Modeerscheinung wird? Die Antwort: Unser äußerer Bezugsrahmen bringt uns dazu, der momentanen Meinung zu entsprechen. Dahinter steckt Konformitätsstreben. Wir wollen in den Augen anderer gut dastehen. Also doch extrinsische Motivation! (EM) Wir streben danach, uns möglichst gut zu verkaufen. Darin sind wir sehr kreativ. Also stellen wir unsere Handlungen natürlich als „aus uns selbst kommend“ dar. Ein erklärendes Beispiel: Jemand kauft sich einen Ferrari und sagt, dass er das nur aus inneren Motiven heraus tue. Ja klar! Es ist bequem und ermüdungsfrei, mit dem Ferrari zu fahren. Er würde den Wagen natürlich auch fahren, wenn andere ihn nicht dafür bewundern würden. Es geht ihm nicht darum, dass andere neidisch hinterher schauen … So schnell landen wir in der Selbstverblendung. Sie hilft uns zwar nicht wirklich weiter, aber wir stehen gut da. Wir werden von unbewussten Gruppenzwängen mehr gesteuert als uns lieb sein kann.

Die Frage „Was ist besser?“ führt zu einer Spaltung: Was ist richtig? Was ist falsch? Und hier enden wir in einem Entweder-oder. Ja oder Nein. Schwarz oder Weiß. Jetzt mangelt es an einer differenzierten Wahrnehmung.

Hilfreicher ist die Frage: Bin ich mir meiner tatsächlichen Beweggründe bewusst und wie kann ich sie beeinflussen?

Die Trennung von inneren (IM) und äußeren Antrieben (EM) wird bei genauer Betrachtung in der Tiefe immer schwieriger. Ein Beispiel: Jemand will Karriere machen. So weit, so gut. Warum denn eigentlich? Ansehen (EM) und Geld werden genannt. Warum Geld? Damit die Familie versorgt ist und damit man dieser Verantwortung gerecht geworden ist. (IM) Aber auch, damit die anderen nicht denken: „Der kriegt das nicht hin.“ (EM) Andere Gründe können sein: Karriere machen, um die vorhandenen Talente in entfaltete Stärken zu verwandeln. Sich als erschaffendes Wesen zu spüren. (IM) Dieses innere Wachstum gibt Bestätigung und Selbstvertrauen. (IM) Und auch, damit die andern sehen können, was ich alles drauf habe. Da geht es um Anerkennung und Respekt. (EM)

Eine andere Gedankenkette. Nehmen wir an, Ihre Mitarbeiter wären alle nur intrinsisch motiviert. Sie würden nur aus sich selbst heraus handeln und bewerten. Hätten kein Interesse an der Bestätigung durch ihren Chef oder Kollegen oder Kunden. Wäre das ein hilfreicher Zustand? Wie kann man 1000 rein intrinsisch motivierte Mitarbeiter in eine Richtung führen? Ein unmögliches Unterfangen. Hinzu kommt noch: Je mehr ein Mensch nur aus sich heraus handelt, desto mehr ist er an der Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse interessiert. Eine starke intrinsische Motivation, gepaart mit einem echten Interesse an den Bedürfnissen anderer Menschen, ist eine Königsklasse, die die wenigsten erreichen.

Aus diesen Überlegungen lassen sich zwei Erkenntnisse ableiten:

1. Da die intrinsische Motivation so in Mode ist, sind wir in unserer Selbstwahrnehmung verblendet.

Warum? Weil wir gut dastehen wollen. (EM) Wichtig sind eine ehrliche Selbst-Beobachtung und ein wahrheitsgemäßes Erkennen unserer tieferen Antriebe. Was wir da erkennen, ist sicher nicht immer besonders „toll“ und „sexy“ in den Augen anderer. Es hilft uns aber in unserer Selbsterkenntnis weiter. Weil wir jetzt wissen, wo der Ursprung liegt. Hier erreichen wir den größten Hebel, um unsere Wirkung zu erhöhen. Beantworten Sie die folgende Frage und richten Sie sich danach, dann bekommen Sie das Thema in den Griff: Was kann ich tun, damit Motive wie „gut dastehen“ und „vermeiden schlecht dazustehen“, nicht unnötig Raum bekommen und ich mich auf das konzentrieren kann, was hilfreich ist?

2. Äußere und innere Antriebe sind beide wichtig.

Die Befriedigung innerer Antriebe lässt uns unser „Ich“ stärken und unser Selbstvertrauen ausbauen. Wir werden uns unserer inneren Stärke immer bewusster, trauen uns immer mehr zu. Die Befriedigung äußerer Antriebe bringt uns in den Austausch mit anderen Menschen. Die Bestätigung durch andere steht dabei im Zentrum. Ob Ehepartner, Chef oder Skatkumpel: Anerkennung und Respekt durch andere ist ein wichtiges Motiv. Es macht uns zu einem sozialeren Wesen. Wer für sich noch nicht erkannt hat, wie wichtig die Bestätigung durch andere ist, dessen Persönlichkeit und Wirkungskraft ist noch nicht so weit entwickelt. Wäre es uns jedoch vollkommen egal, was andere von uns halten, würde unsere Rücksichtslosigkeit ins Unermessliche steigen. Innere Unabhängigkeit zeigt sich nicht dadurch, dass es Ihnen völlig egal ist, was andere sagen. Sie zeigt sich dadurch, dass sie abwägen, was sie von anderen annehmen und was nicht. Werden wir andererseits von den Aussagen anderer abhängig, bluten wir emotional aus und werden zum Spielball manipulativer Kräfte. Mal wieder geht es um das passende Gleichgewicht.

Wie sieht also die Lösung aus?

Für Ihre Selbstführung: Werden Sie sich über Ihre wirklichen Antriebe immer bewusster. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Schauen Sie sich – vor allem – das an, was Sie bisher nicht sehen wollten. Dafür gibt es einen Grund. Lernen Sie, zu sich und Ihren Motiven zu stehen. Bringen Sie Ihre inneren und äußeren Antriebe in Balance. Stärken Sie Ihre inneren Bedürfnisse genauso wie das Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Austausch. Oder anders: Werden Sie ein großer starker Baum inmitten eines Waldes voller großer starker Bäume. Und: Den kleineren Bäumen helfen Sie, so stark zu werden, wie diese werden können. Für die Führung anderer bedeutet das: Es ist von großem Vorteil, wenn Mitarbeiter eine hohe Identifikation mit ihrem Aufgabenbereich haben. Der Mitarbeiter fühlt sich dann zu 100 Prozent zuständig. (IM) Genauso wichtig ist es, dass sich ein Mitarbeiter für das ganze Unternehmen und seine Ergebnisse verantwortlich fühlt. (EM) Er sieht seinen Platz (IM) im großen Ganzen. (EM)

Das sicherzustellen ist Ihre Aufgabe als Führungskraft. Wie Sie das erreichen? Ein starkes Werkzeug hierfür ist die Ergebnisorientierte Aufgabenbeschreibung (EOA) aus unserem Führungs-System „Leading Simple“.
 
Übrigens: Warum – denken Sie – lautet eigentlich der Werbespruch eines Schweizer Luxusuhren-Herstellers: „Männer tragen ihr Geweih am Handgelenk“? Hier geht es natürlich rein um innere Antriebe und nicht um äußere Bestätigung.
                                                                                     

Ihr Boris Grundl

www.grundl-akademie.de


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