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Rhetorische Zeitlupe - Aktuelles

von René Borbonus

In den letzten Wochen habe ich wieder einmal festgestellt, dass der Vergleich eines der wertvollsten rhetorischen Mittel ist. Ich mag es sehr, Rede zu wenden und der deutschen Sprache die Krone aufzusetzen. Es ist eine der Königsdisziplinen: Über bildhafte Sprache nehmen wir die Abkürzung in die Wahrnehmung des Zuhörers. Die Assoziationskraft des Bildes regt an und involviert. In einem Beitrag zum Thema habe ich einmal eine sehr treffende Umschreibung gefunden: Es sei der Reitersprung der Phantasie. Sie sehen: Auch dies ein Vergleich, eine Metapher.

In den vergangenen Wochen habe ich hier und da ein paar ganz wunderbare Vergleiche „aufgeschnappt“, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Eisschnellläufer ärgern sich – wie die unzähligen sauberen Radsportler auch – über vereinzelte Dopingfälle. Diese nämlich ziehen am Ende eine ganze Sportart in den Schmutz. Bart Veldkamp ist ein ehemaliger Eisschnellläufer, der inzwischen für einen niederländischen TV-Kanal arbeitet. Er kritisiert es bildhaft: „Sie (Claudia Pechstein) sollte von allen ignoriert werden. Das ist so, als ob du Schrimps isst. Alle sind gut, nur einer ist schlecht, und wegen diesem einen wirst du krank. Schon willst du künftig keine Schrimps mehr essen.“ Eindringlicher lässt sich kaum vermitteln, wie sehr auch nur ein einzelner Dopingsünder einer Sportart schaden kann.

Auch Karlheinz Brandenburg lieferte einen wahren Volltreffer mit einem bildhaften Vergleich. Er leitet das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie und hat im Manager Magazin (11/2009) das MP3-Verfahren wunderbar in ein Bild gekleidet. Er erklärt es kulinarisch „als eine Art akustisches Gefriertrocknen“. Weiter zitiert das Manager Magazin, bei der Digitalisierung von Harmonien, Melodien und Rhythmen komme es darauf an, alle maßgeblichen Bestandteile des Ausgangsmaterials so zu erhalten wie die Gemüse- und Fleischbröcklein in einer Tütensuppe – als Konzentrat, das wenig Speicherplatz benötigt und sich leicht transportieren lässt. Beim Zurückverwandeln der Bits in Geräusche, Töne und Klangfarben müsse die Software des Abspielgerätes das Volumen und den Biss aus den Kernbotschaften rekonstruieren – wie das heiße Wasser, das auf das Tütensuppen-Konzentrat gegossen wird. Köstlich!

Im Bereich „ wissenschaftliche Erklärungen bildhaft präsentiert“ schießt Professor James Kakalios den Vogel ab. Er erklärt die Physik (Mechanik, Wärme und Licht, Atomphysik, Quantenmechanik), indem er Superhelden wie Superman, Spiderman oder Flash heranzieht. Eine eigene Welt, die sich hier in Kürze leider nicht abbilden lässt. Aber: Nachdem seine Vorlesungen in kurzer Zeit ein absoluter Renner waren, hat er schließlich ein Buch veröffentlicht, das ich nur wärmstens empfehlen kann:

James Kakalios: Physik der Superhelden





Kakalios hat sich für eine Bilderwelt entschieden, die sicherlich den einen oder anderen zur Physik gebracht hat, der sich das gar nicht hätte träumen lassen.

Hans Peter Brugger hat einmal gesagt: „Jeder Vergleich hinkt mehr oder weniger, aber nicht selten ist gerade dieses Hinken das, was den Vergleich charmant macht.“ Wie Recht er doch hat.

Ihr

René Borbonus

www.rene-borbonus.de


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