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Führen Sie oder werden Sie geführt?

von Boris Grundl

Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag, ja jede Stunde liegt vor uns wie ein unbeschriebenes Blatt und wartet darauf, von uns beschrieben zu werden. Die Frage ist nur: Lassen Ihre Gewohnheiten das zu? Das neue Jahr hat Tempo aufgenommen und ist schon voll im Gange. Was ist eigentlich aus Ihren Vorsätzen geworden? Gewinnen diese an Raum oder haben Sie sich schon von ihnen verabschiedet? Hat der Alltag Sie wieder fest im Griff? Leben Sie oder werden Sie gelebt? Führen Sie oder werden Sie geführt?

Es ist schon verblüffend: Zum Jahreswechsel kommen fast alle Veränderungswünsche auf einmal auf den Tisch. Das schlechte Gewissen lässt grüßen. Wovor wir uns seit längerem gedrückt haben, jetzt soll es geschehen. Was nach hehrem Wunsch und guter Absicht aussieht, sind reine Selbstüberschätzung und mangelnde Selbsterkenntnis. Denn jede Veränderung braucht eine gewisse Menge an Energie. Der Mensch ist im Grunde ein sensibles Wesen. Gewohnheiten, eingeprägte Denkmuster und Rituale halten uns in Balance. Deswegen sind mehrere Veränderungen auf einmal zum Scheitern verurteilt.

Es ist eine Kunst, sich auf eine entscheidende Veränderung so lange zu konzentrieren, bis sie zur Gewohnheit geworden ist.

Warum? Unsere sensible innere Balance kommt aus dem Gleichgewicht, wenn wir versuchen eine Gewohnheit einfach sein zu lassen. Für jede weggelassene Gewohnheit entsteht ein Raum, der gefüllt werden will. Stellen Sie sich Ihre innere Balance wie eine Waage vor. Lassen Sie eine unnütze Gewohnheit einfach nur weg, entsteht ein Ungleichgewicht. Genauso ist es beim Dazupacken. Kommt etwas dazu, muss etwas anderes weg. Es geht also darum, eine unnütze durch eine nützliche Gewohnheit auszutauschen. Deswegen scheitern so viele „gut gemeinte“ Vorsätze.

Ein erklärendes Beispiel:

Nehmen wir an, Sie trinken jeden Tag zehn Tassen Kaffee und Sie wollen 50 Prozent weniger trinken. Dann trinken Sie in Zukunft fünf Tassen und als Ausgleich der fehlenden fünf Tassen einen Liter Wasser. Das passt! Nur den Kaffee wegzulassen oder nur den Liter Wasser dazu zu nehmen bringt sie in ein körperliches Ungleichgewicht. Zuerst körperlich dann mental. Haben Sie eine nutzlose Gewohnheit erfolgreich ausgetauscht, dann ist die nächste dran. Das funktioniert und stärkt Schritt für Schritt Ihren Veränderungsmuskel.

Machen Sie es doch einmal ganz anders als bisher: Anstatt sich zu viel auf einmal vorzunehmen, werden Sie Schritt für Schritt zum Veränderungskünstler.

Die Schritte sind: Gewohnheiten analysieren, unnütze Gewohnheiten herausfiltern, Austauschgewohnheit durchdenken und festlegen. Den Umsetzungsplan fixieren Sie schriftlich. Es geht nicht darum, in der Umsetzung keine Rückschläge zu erleiden, sondern die Summe der Rückschläge immer weiter zu verkleinern. Bis es keine mehr gibt. Oder anders ausgedrückt: den Raum des Gelingens immer etwas größer werden zu lassen. Wer bestimmt denn eigentlich, wann der passende Zeitpunkt für einen erfrischenden Gewohnheitswechsel ist? Ein Jahreswechsel oder Sie? Der richtige Zeitpunkt ist immer dann gekommen, wenn Sie mit Ihren bisherigen Gewohnheiten nicht mehr weiterkommen. Es geht darum, in gleicher Zeit Ihre Wirkung zu erhöhen. Oder weniger Zeit für die gleiche Wirkung zu benötigen.

Wirkung hoch, Zeitverbrauch runter

Es dauert mehrere Monate bis eine Veränderung zur Routine geworden ist. Je nachdem, wie tiefgreifend die Umstellung für Sie persönlich ist. Sollten Sie das Empfinden haben, bei der Umsetzung gescheitert zu sein, fangen Sie doch einfach noch einmal von vorne an. Nehmen Sie Ihr Scheitern an und lachen Sie darüber. Sagen Sie zu sich selbst: Der, der ich früher war, hat das nicht hingekriegt. Der, der ich jetzt bin, bekommt das hin. Ziehen Sie eine geistige Nullpunktlinie auf dem Boden, schreiten sie darüber und gewähren sie der Vergangenheit keinen Einlass.

Bitte bedenken Sie: Wenn Sie etwas ändern, hat das meistens Auswirkungen auf die Menschen in Ihrem Umfeld. Privat oder beruflich. Geben Sie Ihrem Umfeld die Möglichkeit, sich auf Ihre Veränderungen einzustellen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Seien Sie geduldig. Es ist normal, dass die anderen Sie von Ihren Veränderungen abbringen wollen. Ihre Veränderungen sind vielleicht nicht zum Vorteil für alle anderen. Machiavelli drückte dies so aus: „Wer etwas Neues schaffen will, hat alle zu Feinden, die aus dem Alten Nutzen ziehen.“

So gesehen können Sie immer wieder anfangen und Anfänger im Geiste bleiben. Seien Sie sich bewusst: Dem Geist des Anfängers sind viele Wege offen, dem des Experten nur wenige. Das ermöglicht Ihnen ebenfalls, Ihr Leben immer wieder mit Anfänger-Augen zu sehen. Wenn Sie nachhause kommen und Ihren Partner und Ihre Kinder sehen, sehen Sie sie dann mit frischen, wachen Augen oder mit einem fest geprägten Bild aus der Vergangenheit? Und wie sieht es mit Ihrem Arbeitsplatz aus? Ist es ein Ort der Klarheit oder der Vergangenheit? Welches Bild haben Sie von Ihren Mitarbeitern? So wichtig es ist andere Menschen in unsere geistigen Schubladen einzuordnen, so wichtig ist es auch, die Schubladen offen zu lassen. Die Schubladen entsprechen einem beschriebenen Blatt. Doch Vorsicht! Geben Sie Ihren Mitmenschen immer wieder die Chance, aus den Schubladen zu klettern und damit ihr Wachstum zu signalisieren. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter in der Schublade einschließen, werden Sie deren Wachstum nicht mitbekommen. Oder anders gesagt: So sehr sich ein Mitarbeiter auch bemüht, sein Blatt bleibt mit der Tinte seiner Vergangenheit beschrieben. Sie entscheiden, wie Sie Ihre Mitarbeiter oder sich selbst sehen. Viel Vergnügen beim Beschreiben „leerer Blätter“.

Ihr Boris Grundl

www.grundl-akademie.de



Ein herzliches Dankeschön für die vielfältigen Rückmeldungen zum kostenfreien Hörseminar in 2009. Das hat Boris Grundl motiviert, auch in 2010 ein solches Hörseminar anzubieten mit folgendem Inhalt:

Antworten auf die häufigsten Fragen zum Führungsmodell „Die drei Säulen wirkungsvoller Führung“

Wie Sie es von ihm gewohnt sind: Klar, präzise, auf den Punkt. 89 Antworten, die Sie in Ihrem Leben weiterbringen. Wieder sind Herunterladen, Vervielfältigen und Weiterleiten ausdrücklich erwünscht! Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen von diesem Service erfahren. Vielen Dank!

Hier geht es zum kostenfreien Hörseminar.


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