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Das Schlimmste ist überstanden? Doch ist es wirklich so?

von Boris Grundl

Eine der geforderten Lehren aus der Krise ist die Abkehr von der unersättlichen Gier, hin zu mehr Bescheidenheit. Die Reduktion auf das Wesentliche. Der Volksmund sagt: Weniger ist mehr. Doch, was muss passieren, dass aus weniger mehr wird?

"Das Schlimmste ist überstanden", lesen, hören und sehen wir in den Medien. Doch ist es wirklich so? Haben wir den Tiefpunkt der Krise überschritten? Geht es nun bergauf? Während wir uns auf den Aufschwung freuen, schlägt die Krise mit ihren Auswirkungen so richtig zu. Kein schwaches Ergebnis, das nicht mit den Auswirkungen der Krise entschuldigt wird. Eine kollektive Ausrede, die jeder akzeptiert.

Was sind die Konsequenzen aus dieser weltweiten Finanzenge für die Zukunft? Sind wir klug genug, aus dieser Situation zu lernen? Kriegen wir die Paarungen aus Macht, Gier und Größenwahn in den Griff? Da der Glaube an eine wirkliche Einsicht der Verantwortlichen fehlt, kommt es natürlich zum Versuch einer Regulierung. Der G20 Gipfel lässt grüßen. Banken- und Bonusregulierung sollen es richten. Regeln sind wichtig. Sie erleichtern den Umgang miteinander. Keine Sportart kommt ohne Regeln aus. Ohne die passenden Regeln würde jedes Fußballspiel zum Schlachtfeld. Es gilt jedoch: So viele Regeln wie nötig, so wenige wie möglich. Das passende Augenmaß ist eine Kunst. Zu viel schränkt ein, zu wenig erlaubt Wildwuchs.

„Jetzt brauchen wir wieder mehr Wachstum!“, fordert die neu gewählte Regierung. Dahinter steckt ein bekannter Antrieb. Immer schneller, immer mehr. Alles in Deutschland ist auf höher – schneller – weiter programmiert. In der Vergangenheit hat diese Einstellung zu einer folgenschweren Gier geführt: immer mehr für weniger Geld. Auslagerung der Produktion in Schwellenländer, damit wir billiger konsumieren können. Fünf Sterne Hotel buchen und nur für zwei bezahlen. "Das muss man ausnutzen" ist überall zu hören. Mehr nehmen als geben. Das kann nicht gut gehen.

Wachstum ja, aber wohin? Wir haben mehr zu essen als notwendig, viel mehr anzuziehen als wir brauchen, sind mobiler wie nie zuvor, haben komfortable Wohnungen aber sind nicht glücklicher. Was für eine Farce! Wir erleben im Überfluss den geistigen Mangel. Wir bekommen Lammfleisch aus Neuseeland, Schnittblumen aus Afrika und trinken Mineralwasser aus Italien. Besteht Lebensqualität darin, jeden Tag mehr zu konsumieren? Wir konsumieren viel und verinnerlichen wenig. Schnell konsumieren, kaum verdauen. Vollgestopfter Magen, ohne Nährwert. Mahatma Gandhi bemerkte hierzu: "Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt".

Die Frage ist, wohin das Wachstum geht. Ein Mehr an der Oberfläche oder ein Mehr in die Tiefe? Mehr oberflächliches Wissen oder mehr tiefgründiges Wirken? Ein Mehr an Quantität oder ein Mehr an Qualität? Es geht nicht um weniger, sondern um besseres Wachstum, nicht um Verzicht sondern um Qualität. Nicht wie viel Zeit Sie für etwas verwenden, sondern mit welcher Intensität. Aus meiner Sicht liegt das bessere Wachstum im Vereinfachen und Veredeln der Dinge. Gehen Sie doch einmal an Ihren geistigen Kleiderschrank und schauen Sie, was Sie darin nicht gebrauchen können. Im Laufe der Jahre hat sich da so manches angesammelt was Ihnen im Grunde überhaupt nicht weiterhilft. Einer dieser sogenannten Mythen ist der Glaube nach grenzenlosem Wachstum. Grenzenloses Wachstum würde grenzenlose Ressourcen voraussetzen. Doch die weltweiten Ressourcen werden immer knapper. Der Ölverbrauch ist seit 1990 um 25 % gestiegen. Der Gasverbrauch um 50 %. Der Wasserkonsum hat sich seit 1950 verdoppelt. Die Ressourcen unserer Erde kommen an ihre Grenzen. Genauso kommen viele Menschen mit ihren persönlichen Ressourcen an ihre Grenzen. Setzen Sie ein Zeichen. Konzentrieren Sie sich auf wenige wesentliche Dinge! Werden Sie zum Vorbild für ein neues Denken und Handeln. Misten Sie Ihren geistigen Kleiderschrank aus und sorgen Sie dafür, dass aus weniger mehr wird.

Ihr Boris Grundl
www.grundl-akademie.de


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