laedt
Foto: Arno Fischbacher zum Rednerprofil

Das zweite Gesicht – Mit der "Stimme" überzeugen und führen

Arno Fischbacher - Der Stimmcoach für die Wirtschaft

"Die Stimme ist ein zweites Gesicht." So schrieb der französische Autor Gérard Bauer. Vermutlich erinnern wir alle uns an Situationen, in denen die Stimme unseres Gegenübers nicht zum Gesichtsausdruck passte. Vielleicht war es uns unmöglich, seinen Humor als Humor zu verstehen oder wir konnten das Gehörte und damit den Sprecher nicht ernstnehmen. Führungskräfte sind im persönlichen Kontakt auf den Einklang von Miene und Stimme besonders angewiesen. Ein Lob, eine Kritik, eine Anweisung, ein Vermittlungsvorschlag oder ein Motivationsversuch: Wenn Ihre Stimme nicht ausdrückt, was sie inhaltlich zu sagen haben oder nicht zu Ihrem Gesicht passt, verschenken Sie einen großen Teil Ihrer Wirkung.

Manche Führungskräfte haben mit andauernden Disziplinproblemen ihrer Mitarbeiter zu kämpfen, ohne dass klar wird, warum das so ist. Die Hierarchie ist meist eindeutig und klar ersichtliche Führungsversäumnisse liegen auch nicht  vor. Trotzdem verpufft der Ernst des Gesagten ins Nirwana und die Führung wird zum dauerhaften Energiefresser.

Um es auf ein Extrembeispiel zu bringen: Wer sein Team zurechtweisen muss und ein entsprechend ernstes Gesicht macht, seine Kritik aber mit sich überschlagender Fistelstimme vorbringt, wird nur wenig bewegen. Die Stimme ist einer von zwei Hebeln, die synchron funktionieren müssen, damit die Aussage so wie beabsichtigt beim Empfänger ankommt. Am Telefon, das versteht sich von selbst, ist die Stimme der alleinige Träger der Botschaft. Hier ist ihre Bedeutung absolut. Die stimmlichen Regeln sind allerdings im persönlichen und telefonischen Gespräch dieselben. 

Menschliche Wertschätzung als Schlüssel zum anderen

Dass emotional Erlebtes leichter und dauerhafter im Gehirn abgespeichert wird als rein rational gelernte Dinge, ist heute weitläufig bekannt. Wenn Sie in Ihrer Führungstätigkeit maximale Wirksamkeit anstreben, sollten Sie in fast allen Fällen auf eine menschlich wertschätzende Verbindung zum Ihrem Gesprächspartner setzen. Das mag mal anders sein, wenn Sie eine reine Zahlendiskussion führen, aber grundsätzlich gilt in allen Führungsgesprächen: Menschlichkeit first!

Wenn Sie Ihre Stimme im Führungsjob einsetzen, wollen Sie vor allem eines: gehört werden. Dabei haben Sie aber ordentlich Konkurrenz. Der Organismus Ihrer Mitarbeiter wird jede Sekunde mit elf Millionen inneren und äußeren Informationsreizen bombardiert. Von ihnen können maximal 40 tatsächlich bewusst verarbeitet werden. Sie treffen also auf Menschen, die um zehn Uhr – bei Arbeitsbeginn um acht und einem Aufstehen um sechs – schon 576 Millionen bewusste Reize verarbeitet haben. Und jede Sekunde kommen vierzig weitere hinzu.

Survival of the fittest: Wie Reize um die Vorherrschaft kämpfen 

Leicht zu verstehen, dass Ihre Reize in diesem Informationswirrwarr als Kaulquappen im Karpfenteich einen schwereren Stand haben. Klar, Sie haben hierarchiebedingt zunächst alle Aufmerksamkeit bei sich. Wenn es Ihnen aber nicht gelingt, Ihre Zuhörer auch stimmlich zu fesseln, driftet deren Aufmerksamkeit ab. Manches wird nur halb, anderes gar nicht mehr wahrgenommen, und letztlich müssen Sie bei drei Gelegenheiten etwas drei Mal sagen, das mit einem Mal in den Köpfen hätte sein können. Wenn Sie zu schroff sind, sind die Schotten schnell wieder dicht, und Sie prallen an der Mauer der Zuhörer ab.      

Spannend ist dabei, dass nicht nur Stimmmodulation und Körperhaltung Auswirkungen auf den Klang unserer Stimme haben, sondern dass auch mentale Faktoren eine Rolle spielen. So, wie Sie den anderen wahrnehmen, klingt auch Ihre Stimme, wenn Sie  mit ihm sprechen. Und dessen Stimme hat eine andere Modulation, je nachdem, wie er sich wahrgenommen fühlt. Einer Führungskraft sollte rational immer bewusst sein, dass sie es mit Menschen und nicht mit Maschinen zu tun hat. Aber hat sie dieses Wissen auch immer emotional aktiviert, wenn sie ins Gespräch eintritt?   

Stimmtipp Nr. 1: Mentale Vorbereitung

"Mensch statt Sache!" So muss Ihre Devise lauten. Auch wenn es um kritische Themen geht, sollten Sie sich vor dem Treffen bewusst machen, warum Sie den anderen als Menschen schätzen. Ihr Timbre wird sich ins Warme, Volle, Runde verändern und Ihre Wertschätzung nach außen transportieren. Ihr Gesprächspartner wiederum hat feine, unbewusst arbeitende Antennen, mit denen er in Ihrer Stimme spürt, wie Sie zu ihm stehen. Gerade, wenn es thematisch heikel wird, öffnen Sie damit die emotionale Tür zum andern. Sie verhindern Ohrendurchzug, Langeweile und Verschlossenheit beim anderen.

  • Was ist Ihnen am Verhandlungspartner bisher positiv aufgefallen?
  • Was spricht Sie an ihm an?
  • Wofür schätzen Sie Ihr Team, auch wenn Sie es gleich zur Ordnung rufen müssen?
  • Welche Stärken hat Ihr Mitarbeiter? 
  • Welche Leistungen hat er erbracht – trotz der nötigen Kritik?
  • Was haben Sie mit Ihrem Vorstand gemeinsam? 
  • Worüber haben Sie gemeinsam gelacht? 

Wenn Sie das Gespräch achtsam und in voller Wertschätzung des anderen beginnen, wird man das nicht nur aus Ihren Worten hören und an Ihrem Gesicht ablesen, sondern auch in Ihrer Stimme wahrnehmen. Sie werden ein homogenes Bild abgeben, die Grundlage für jedes Vertrauen. Menschen schätzen es, wenn Sie ihnen aufrichtig und konsensgerichtet begegnen. Sie wollen akzeptiert und respektiert und menschlich nicht in Frage gestellt werden.

Nun bereiten Sie Ihre Stimme vor. Das kostet etwas Zeit, lohnt sich aber ungemein. Wenn Sie bestimmte mentale und körperliche Vorbereitungen treffen, finden Sie den richtigen Weg ins Gespräch.

  • Überprüfen Sie als erstes Ihre Einstellung: Wollen Sie jetzt wirklich ein persönliches Gespräch führen?
  • Sind Sie offen und bereit, Ihren Gesprächspartner so anzunehmen, wie er oder sie gerade ist?
  • Wie sitzen oder stehen Sie gerade? Fühlen Sie sich in Ihrer Position sicher, aktiv und bereit für das Gespräch?
  • Nicken Sie sich nun selbst zu und quittieren Sie die Ergebnisse Ihrer Vorbereitung mit einem hörbaren „mmmhh!“ Achten Sie dabei auf den angenehmen Klang Ihrer Stimme. Sie befinden sich nun im Eigenton, der auch im Ohr Ihres Gesprächspartners gut klingt. So können Sie später im Gespräch leicht an diesen Wohlklang anknüpfen.

Im Gespräch selbst hat sich der folgende Drei-Schritt als besonders wirksam erwiesen: 

  1. Beginnen Sie das Gespräch auf der Beziehungsebene durch einen persönlichen Ton, ohne oberflächlich zu wirken: „Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind. Sind Sie gut hergekommen?“
  2. Klären Sie dann die wichtigen Inhalte und Sachfragen. Hier darf die Stimme etwas sachlicher klingen. Vermeiden Sie einen zu schroffen Tonfall, einen Überredungston und jede Form akustischer Nötigung. 
  3. Kehren Sie am Ende wieder zum persönlichen Ton zurück. Bedanken Sie sich für das konstruktive Gespräch. So können Sie später wieder an die gute Beziehung anzuknüpfen.

Stimmtipp Nr. 2: Volle Stimmkraft aus dem Zwerchfell

Ein Schlüsselwort der Akustik ist Resonanz. Sie wollen zugleich sicher auftreten, eine gesunde Beziehungsebene verkörpern und alle Dinge klar sagen, die klare Ansagen brauchen. Wenn Sie Ihr Zwerchfell aktiv und bewusst einsetzen, bekommt Ihre Stimme Kraft und Volumen. Sorgen Sie körperlich für eine freie Brust. 

Wenn Sie stehen, stehen Sie dynamisch federnd, straffen Sie Ihren Nacken und entspannen Sie Ihre Schultern. Bleiben Sie beweglich und verkrampfen Sie nicht. So aktivieren Sie Ihr Zwerchfell maximal. Eine volle Stimme und die Luftzirkulation im Körper stehen in direktem Zusammenhang.

Wenn Sie sitzen, sitzen Sie nicht „bequem“. Lehnen Sie sich nicht an und versinken Sie schon gar nicht in Sessel oder Sofa. Rücken Sie nach vorne zum Rand des Möbelstücks und richten Sie sich auf. Halten Sie Ihre Füße gerade und stabil am Boden. Bleiben Sie dennoch entspannt in der Lendenwirbelsäule. Körperlich demonstrieren Sie so Ihre Expertise, stimmlich erreichen Sie den runden Klang, der nicht am Kopf der Zuhörer halt macht, sondern sie auch emotional bewegt.

Wildern Sie Ihre Hände aus. Verknoten Sie sie nicht miteinander. Wenn Sie Ihre Finger fest verschränken, berauben Sie sich Ihrer Dynamik – zunächst körperlich. Aber Ihre Stimme spiegelt jede Verkrampfung Ihres Körpers wieder. Sie lässt jede Störung des inneren Energieflusses hören.

Stimmtipp 3: Die Besprechung „rocken“  

Die Herausforderungen sind ähnlich, egal ob Sie im Meeting sitzen oder vor einer größeren Gruppe sprechen müssen. Ihre Stimme soll den Raum füllen. Sie muss „demokratisch“ sein und jeden gleich abholen und erreichen. Nutzen Sie den 3-D-Effekt Ihrer Stimme. Vermeiden Sie, sich bestimmten Zuhörern speziell zuzuwenden, auch wenn es sich um einen Vorgesetzten oder einen „Fan“ handelt. Damit verengen Sie den Trichter, in dem Ihre Stimme wirkt.

Helfen Sie sich mit einem optischen Trick, ähnlich dem Weitwinkel in der Fotografie. Versuchen Sie, Ihre Nachbarn in den Augenwinkeln zu haben, und nehmen den Raum als Ganzes ins Visier. Sprechen Sie laut und deutlich in Ihren Wahrnehmungsraum, nachdem Sie schon vor der Wortergreifung diskret Ihre Gesichtsmuskeln gelockert haben. 

Bevor Sie loslegen, fühlen Sie in sich hinein. Spüren Sie Ihre körperliche Präsenz und Ihre Verbindung mit dem Boden, auf dem Ihre Füße stehen. Entspannen Sie Ihre Schultern und werden Sie ruhig. Dann erst erheben Sie die Stimme und Sie werden sehen, wie sehr Ihre Stimme den Raum erfüllt.

Stimmtipp 4: Konflikte vermeiden, Standpunkte fixieren

Suchen Sie den Schulterschluss, wenn sich ein Konflikt abzeichnet. Drehen Sie sich leicht zur Seite. Damit gehen Sie körperlich aus der Konfrontation und Sie bieten buchstäblich weniger Angriffsfläche. Betonen Sie durch aktives Zuhören in Form von bestätigenden Lauten, dass Sie dennoch "ganz da" sind. Wenn Sie sich abgrenzen oder einen unverbrüchlichen Standpunkt vertreten müssen, werden Sie „frontal“. Spüren Sie Ihre Mitte und setzen ein vierfaches Stoppsignal: durch Körperhaltung und Gesichtsausdruck, eine Stopp-Geste mit der Hand und eine klare und bestimmte Stimme. 

Mit diesen Tipps decken Sie den größten Teil Ihrer Führungsaufgaben ab. Sie prägen Ihr Image, beeindrucken durch Festigkeit und Willen und sind immer eindeutig, weil Sie homogen und integer wirken.



 


Arno Fischbacher ist Experte für die unbewusste Macht der Stimme in Kundenservice, Führung und Vertrieb. Er ist Stimmcoach, Speaker und Wirtschaftstrainer für stimmliches, sprachliches und körpersprachliches Auftreten und Verhalten. Seine besondere Spezialität liegt in den persönlichen Steuerungsmöglichkeiten in schwierigen Kommunikationssituationen, sowohl in Gesprächen als auch bei Präsentationen sowie in den Medien. 

Voice-sells – die Stimme verkauft! Das gilt im wörtlichen Sinne in jedem Verkaufsgespräch und jeder Verhandlung. Ob in der Mitarbeiterführung, im Verkaufsgespräch, bei Präsentationen, im aktiven Kundenkontakt: Die Stimme wirkt immer, ob wir es wollen oder nicht. Und das nicht nur im Berufsleben, auch zu Hause, „verkaufen“ wir Ideen und Argumente. Ein Lob, eine Kritik, eine Anweisung, ein Vermittlungsvorschlag oder ein Motivationsversuch: Wenn Ihre Stimme nicht ausdrückt, was sie inhaltlich zu sagen haben oder nicht zu Ihrem Gesicht passt, verschenken Sie einen großen Teil Ihrer Wirkung. Dabei ist die Stimme der Schlüsselreiz in der Kommunikation. Sie entscheidet über Sympathie, Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft. 

Arno Fischbacher ist Vorstand von www.stimme.at, dem europäischen Netzwerk der Stimmexperten. Seine langjährigen Erfahrungen als Schauspieler, Moderator und Führungskraft hat er zu einem innovativen Trainingsansatz verdichtet. Er besticht durch mitreißendes Auftreten und eine Fülle an praktischen und sofort anwendbaren Tipps.

Nach oben

Vortragsredner Newsletter

Melden Sie sich zu unserem Newsletter an:

eintragen austragen

Neu bei Vortragsredner

Elisabeth Heller
Elisabeth Heller

Leben Sie im Clan, dann leben Sie reicher

zum Rednerprofil

Unsere Medientipps:

ISBN: 149737183X
Preis:

Weitere Infos hier: Mehr auf Amazon

ISBN: 3896943081
Preis:

Weitere Infos hier: Mehr auf Amazon

ISBN: 3593379015
Preis:

Weitere Infos hier: Mehr auf Amazon
Vortragsredner © 2013 ein Projekt der Top Performance Group GmbHAGBKontaktImpressumInitiator