Stimmung ist im Arbeitskontext schwer messbar, weil sie extrem niederschwellig daherkommt. Das ist fatal, denn von ihr hängt die Leistungsbereitschaft des Einzelnen ebenso ab wie die Leistungsfähigkeit eines Teams.
Launologie (v. lat. luna = Mond) ist aus dieser Sicht der längst überfällige Versuch, Ursachen und Auswirkungen von guter und schlechter Laune zu verstehen. Sie beschäftigt sich dabei vorwiegend mit den körperlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen und ist bemüht, interdisziplinarische Zusammenhänge bei der Erforschung und Bewältigung unserer inneren Einstellungen und Haltungen zum Leben transparent zu machen. Launologie will, zuvorderst auch in diesem Konzept, Werkzeuge für eine „gute“ Laune entwickeln und adäquate Handlungsimpulse auslösen. Eine mögliche Konsequenz dieser Betrachtungen ist die Methode des Stimmungsmanagements (Mood-Management). Ein Weg, den jeder gehen kann – wenn er überzeugt ist und wirklich will. Ein Weg, den wir aber vielleicht auch gehen müssen.
Zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 feierten über zwölf Millionen Menschen ausgelassen auf den Straßen. Doch nach Abpfiff und mit Rückkehr in den Alltag sah es schnell wieder anders aus, denn die Psyche der Deutschen ist ernsthaft krank: Depression wird spätestens im Jahr 2020 Herz-Kreislauf-Erkrankungen als »Volkskrankheit Nr. 1« ablösen. Jeder vierte Euro, den der Deutsche für Medikamente einsetzt, wird für Psychopharmaka und Stimmungsaufheller ausgegeben. Und in den letzten 10 Jahren ist die Zahl der psychisch erkrankten Arbeitnehmer um über 80 Prozent gestiegen. Ist gute Laune für uns ein Fremdwort geworden? Was brauchen wir, um mit mehr Optimismus und Gelassenheit in den Tag zu starten? Was steckt hinter dem Phänomen des Missmuts und wie wirkt sich die schlechte Laune auf unseren Alltag, unsere Beziehungen, unsere tägliche Arbeit aus?
Stimmung, als anhaltend angenehme oder unangenehme Form des Fühlens und Empfindens, ist seit den 1950er-Jahren als wichtige und messbare Einflussgröße auf die Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft anerkannt. In die Betriebswirtschaftslehre haben Stimmungen aber mit deutlicher Verzögerung und in die Führungslehre sogar erst im Laufe der Neunzigerjahre Einzug gehalten. Der Wert positiver Grundhaltungen sowohl für Unternehmen wie für die einzelne Führungskraft steht dabei längst außer Frage. Nachhaltige positive Stimmungen senken die Krankenquote um bis zu 85 Prozent, eliminieren Fehlerquellen, minimieren Wissensverluste und optimieren die interne Kommunikation. Gut bestellt ist es um die Stimmung freilich nicht: Nach den letzten Gallup-Studien zeigt nicht einmal ein Fünftel (!) aller Arbeitnehmer in Deutschland ein freiwilliges soziales Commitment gegenüber seinem Arbeitgeber – welch ein Fiasko! Rund ein Viertel von ihnen hat mit dem eigenen Unternehmen innerlich endgültig abgeschlossen. Die wichtigsten Gründe sind: Störungen in der Arbeitsbeziehung zur Führungskraft und kulturelle Defizite der eigenen Organisation – Punkte also, die das Vertrauen des Mitarbeitenden in die Sozialkompetenz seines Arbeitsumfelds und des für ihn Verantwortlichen nachhaltig erschüttern.
Die ersten deutschen Launologen Helmut Fuchs und Dirk C. Gratzel zeigen in ihrem Buch “Launologie“, erschienen im Heyne-Verlag, wie einfach es sein kann, negative Denkmuster zu ändern, gelassen in sich zu ruhen und dadurch klare und transparente Entscheidungen zu treffen. Die Fakten sind komprimiert und intelligent zusammengefasst und ergänzt mit bewährten Übungen und Techniken. Mit der Gründung des ersten Instituts für angewandte Launologie WIFAL in Bad Salzhausen wurde ein weiterer Schritt getan, das Thema wissenschaftlich zu betrachten und nach weiteren Lösungsansätzen zu suchen.